Sonder-Kapitel

Ein Sonder-Kapitel ist ein Storyabschnitt, der zunächst einmal nur für sich alleine steht, ohne großen Zusammenhang mit der Hauptgeschichte. Ob dieses Kapitel so auch im Storyverlauf erscheint oder die Erzählung doch ganz anders verläuft, steht noch in den "Sternen".

 


Wunder  der  Wiederkehr

Es war ein unfassbares Gefühl der Freude und des Glücks, als der große Schatten ins Licht trat und der Großfürst Agarmendom plötzlich wieder vor ihnen allen stand. Ohne zu überlegen rannte Saoirse auf ihn zu und schlang ihre Arme um seine hohe Pferdeschulter, über die sie, durch seine beeindruckende Größe, noch nicht einmal rüber schauen konnte.

 

Der Großfürst lachte gütig ich legte ihr eine Hand auf den Rücken:

"Das hast du gut gemacht, Liebes. Sehr gut. Ich und mein Volk danken dir – für alles."

Ein paar Tränen rannen ihr über die Wange: "Ich war das nicht alleine ... und wir konnten nicht alle retten ..."

 

"Ja, das ist mir klar. Auch allen anderen, besonders Arktur gebührt großer Dank und Ehrung, doch du hast dich gegen den Hass deines eigenen Volkes gestellt, um uns zu retten. Das erfordert viel Kraft im eigenen Herzen.

Und gräme dich nicht über jene, die du nicht retten konntest. Leider gab es Seelen die diese Ereignisse von nun an lieber von der anderen Seite der Sterne beobachten wollen. Wir vermissen sie und gedenken ihrer in aufrichtiger Liebe."

 

Saoirse schwieg und wollte Agarmendom immer noch nicht los lassen. Da fiel ihr ein, dass sie vier weiße Glanzwolken gesehen hatte, wenn eine davon der Großfürst gewesen war, wer waren dann die anderen Drei?

Erst als Arktur hinter ihr stand und eine Hand auf die Schulter seiner Menschenfrau legte, ließ sie von dem Großfürsten ab und umarmte jetzt ihren Palomino.

 

Alles um sie herum lag im alten Trümmern der vergangenen Zentauren-Stätte Atturon, doch immer mehr Pferdemenschen kamen jetzt aus ihren Verstecken, verletzt, verschmutzt, aber am Leben. Und sie lächelten, denn die Gefahr war vorüber. Erleichtert schaute die junge Frau sich nach Brindl, Opalos, Cholem und Bravnir sowie Fjolken um, die nicht weit von ihnen standen.

 

"Schau nur", flüsterte Arktur ihr zu und sie wandte den Kopf in die Richtung, aus der zuvor Agarmendom getreten war. Dort kamen drei weitere Zentauren hervor, die Saoirse nicht kannte. Eine wunderschöne Zentaurin mit fast rosafarbenem Fell, etwas was sie noch nie zuvor gesehen hatte, ihre Haare schimmerten organische und glänzten im Schein der aufgehenden Sonne. Auf der Stirn ragte eine Art Mal hervor, das fast wie ein kleines Horn der Einhorn-Zentauren aussah, nur viel kleiner und dezenter, in einem wundervollen rosa bis rot. Ihre Augen funkelten bernsteinfarbend und ihr Lächeln ließ ihr, ohnehin schon wunderschönes und anmutiges Gesicht erstrahlen.

 

"Tante ...", hauchte Arktur kaum hörbar und Saoirse schaute erst ihn und dann Agarmendom an, der voller Freude Tränen in den Augen hatte und der Zentaurin langsam entgegen ging. Beide fielen sich in die Arme und hielten sich ganz lange fest.

 

"Das ist seine Frau, deine Tante, richtig? Dein Onkel musste seine Söhne an die Menschen und sie durch einen Unfall verlieren. Deshalb die vier Glanzwolken", schlussfolgerte Saoirse halb zu Arktur und halb zu sich selbst.

 

Noch bevor sich der Großfürst und die Großfürstin aus den Armen geben konnten, traten die zwei weitere Zentauren näher an sie heran. Beide wirkten ein wenig älter als Arktur oder Fjolken, einer trug schwarzes Fell mit hellen Haaren und sah seinem Vater sehr ähnlich und der andere mit rötlichem Fell und braunen Haaren, dessen bernsteinfarbenen Augen und seine feinen Gesichtszüge eher an das Erbe seiner Mutter erinnerten.

"Apolion – der Schwarze und Nigantos der Fuchs ...", erklärte Arktur glücklich und Saoirse ergänzte leise:

"Deine Cousins."

 

Die Familienmitglieder des Großfürsten umarmten sich alle zusammen und das Glück war für jeden Anwesenden greifbar. Nun hatte der Großfürst seine eigene Familie zurück.

Eine Zeit des Friedens stand nun an und Saoirse sah lächelnd zu Arktur hinauf.