Kapitel  3:  Vorbereitung

Nach der kurzen Verkündung des Fürsten, hielt sich Opalos an seinen Cousin. Für ihn kam die Entscheidung total unvorbereitet. Saoirse musste sich schon lange mit dem Gedanken anfreunden, dass ihr Zentauren-Freund in ein irrwitziges Turnier geschickt werden würde, weil er als späterer Nachfolger seines Vaters eine hohe Verantwortung zu tragen hat und eine solche Aufgabe zu den seinen gehören musste. Und doch, obwohl es schon lange absehbar war, Arktur viele Jahre darauf vorbereitete worden war und es sogar dieses Mal zwei Anwärter für den Wettkampf gab, fühlte sie eine dumpfe Schwere in ihrem Magen. Es fiel ihr nicht leicht, aber sie musste das Ganze laufen lassen und das Beste hoffen. Die junge Frau hielt nichts von diesen seltsamen Traditionen zur Erhaltung des Friedens und dennoch konnte Saoirse sich glücklich schätzen, dass sie ihren Freund überhaupt begleiten durfte, schließlich gehörte sie nicht wirklich zu dieser, ihr immer noch fremden Kultur der Zentauren. Und gleichzeitig liebte sie diese Wesen.

Viele beglückwünschten die jungen Zentauren-Krieger zu ihrer Aufgabe, der Stolz dieser Geschöpfe hatte bei ihnen einen hohen Stellenwert.
 

Die Drei machten sich umgehend auf, ihre Sachen für die Reise zu packen. Der Clan der herausfordernden Zentauren lebte Zwei-Tagesreisen entfernt und sie würden am nächsten Morgen aufbrechen. Glücklicherweise brauchen Zentauren nicht annähernd soviel Kram wie Menschen, da sie die meiste Zeit ohne irgendwelche Bekleidungen unterwegs waren. Einzig zu besonderen Anlässen oder bei großer Kälte trugen sie schmückende oder wärmende Stoffe über ihren Oberkörpern und Pferderücken. Eine weitere Ausnahme lag in kämpferischen Handlungen, zu mindestens bei Arkturs Clan, dort trugen die Krieger eine dünne, aber effektive Rüstung, die ihre Wendigkeit nicht einschränkte und sie im Kampf gut schützte. Außerdem sah sie wirklich beeindruckend aus, denn die Schmiede der Zentauren geizten nicht mit filigranen Verzierungen, schon gar nicht wenn es sich um die Rüstungen von Angehörigen der Herrscherfamilie handelte. Ihre Kampfbekleidung und ein wenig Verpflegung war alles was Arktur und Opalos mitnehmen würden. Saoirse besaß zwar auch nicht allzu viele Dinge, doch sie brauchte deutlich länger um ihr Päckchen zu schnüren.
 

Am nächsten Tag verabschiedeten sich die Beiden Zentauren vom Fürsten und seiner Fürstin Palima, Arkturs Mutter und jetzt auch Pflegemutter von Opalos, denn nach dem Tod seiner Eltern nahmen sein Onkel, der Fürst, und seine Tante den Apfelschimmel-Zentaur zu sich. Der Fürstin fiel es schwer, ihre beiden "Fohlen" gehen zu lassen. Die Schönheit der Palomino Erscheinung hatte Arktur von seiner liebevollen Mutter vererbt bekommen, alle liebten diese weise und starke Zentaurin, mit den wachen blauen Augen. Sie und ihr Fürst Tristorion genossen ein hohes Ansehen, nicht nur wegen ihres Ranges, auch und vor allem wegen ihrem Dienst an ihrem Volk.
 

"Kommt mir gesund wieder, meine kleinen Fohlen. Saoirse, pass mir auf dich und meine Fohlen auf", konnte die Zentaurin nicht unterdrücken und umarmte alle Drei zum Abschied.

Es gab allerdings noch einen anderen Grund, weshalb die Fürstin ihre Beiden so schwer gehen lassen konnte, nämlich die Erinnerung an ihren Sohn Fjolken. Sein spurloses Verschwinden vor einigen Sommern hatte einen großen Schmerz in den Herzen seiner Verwandten und Freunde hinterlassen. Manche glaubten, dass er sein Volk verließ, weil er von den Sternen nicht als nächster Fürst auserwählt worden war, sondern Arktur, sein zwei-sommer-jüngerer Bruder. Doch weder Arktur, seine Familie noch die die Fjolken näher kannten, glaubten die Gerüchte. Die Fürstin an aller wenigsten, sie hoffte immer noch ihren verlorenen Sohn irgendwann wieder in die Arme schließen zu können. Und um so mehr schmerzte es sie, Opalos und Arktur gehen zu lassen.

Der Fürst legte seinen Söhnen nacheinander anerkennend eine Hand auf die Schulter und nickte ihnen anerkennend zu: "Ihr werdet mich und uns alle stolz machen, meine Söhne." Arktur und Opalos nickten ihrem Vater zu und kurz darauf brachen sie auf, zusammen mit ihrer menschlichen Freundin. Doch eine Sache beschäftigte Arktur sehr, er hatte keine Gelegenheit gefunden, seinem Vater von der Weissagung zu erzählen oder ihn zu fragen ob er darüber schon im Bilde war. Es musste warten.
 

Nachdem sie den ganzen Tag unterwegs gewesen und ein Lager für die Nacht aufgeschlagen hatten, konnte sich die Gruppe Zeit für ein wenig Ausgelassenheit nehmen. Entspannt rollten sich die Zentauren auf das kühle weiche Gras aus, das sie ringsum umgab. Nur wenige Büsche sowie junge Bäume reckten sich sonst noch, auf weitem Feld, aus dem Boden. Die Pferdemenschen beobachteten Saoirse dabei, wie sie pflichtbewusst das Abendessen zubereitete. Lillyloon graste ruhig und zufrieden in ihrer Nähe.

"Sag mal, Arktur. Du hast eine bessere Vorbereitung als ich genossen, wie genau soll ich mir den Wettkampf vorstellen?", fragte Opalos nach einer Weile vorsichtig. Dem Zentaur war seine Unsicherheit anzumerken.

"Nun", begann Arktur ruhig. "Es ist leider nicht besonders vorhersehbar. Unsere liebe Herausforderer und Gastgeber sind dafür bekannt, die Regeln und Anforderungen jedes Mal neu zu erfinden."

Opalos wurde schlagartig blass, sagte aber nichts. Doch Arktur klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter: "Mach dir nicht so viele Gedanken. Du bist ein außerordentlicher Kämpfer, geschickt und schnell. Du wirst das schaffen, sonst hätte dich Vater nicht auserwählt. Er zweifelt nicht an uns, also solltest du es auch nicht tun."

Das schien den Apfelschimmel-Zentaur ein wenig zu beruhigen.

Trotzdem ließ ihm ein Gedanke keine Ruhe: "Wie sollen wir nur das Turnier gewinnen, wenn die Regeln ständig geändert werden?"

Der Palomino schnaubte, er hatte das kommen sehen, doch gehofft es den Zweien noch ein wenig länger ersparen zu können:

"Es geht nicht darum, das Turnier zu gewinnen ..."

Sowohl Opalos als auch Saoirse schauten ihn mit großen Augen an.

"Sondern?", fragten sie wie aus einem Mund.

Der Palomino blickte Beide mit festen Blick an:

"Es geht darum den Wettbewerb zu überleben, das alleine ist die Auszeichnung."


Zurück zur Übersicht